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Lozère Tourisme

Geschichte der Non Pareille

Je m'appelle Marie-Thérèse,
500 quintaux je pèse,
qui ne voudra le croire, me pèse et me
repèse et qu'il me remette à mon aise.

[Ich heiße Marie-Thérèse,
bin 25 Tonnen schwer,
der's nicht glauben will,
soll mich wiegen und nochmals wiegen,
und mich dann in Ruhe lassen.]



Dieser kleine Vers erzählt von der Geschichte einer Glocke,
die zur damaligen Zeit die größte Glocke der Christenheit war.
 Die Geburt der "Non Pareille

Anfang des 16. Jahrhunderts war François de la Rovère der Bischof von Mende (er stammte aus Italien und war der Neffe des damaligen Papstes Jules II, dem Auftraggeber der Fresken in der Sixtinischen Kapelle in Rom). Er wünschte, die Kathedrale auf seine Kosten mit einem Glockenturm auszustatten.
Am 22. Mai 1508 rief er seine Chorherren zu einer Versammlung.

"Unser Bischof Monsignore de la Rovère hat die Absicht,
einen Glockenturm zu errichten, der unserer Kathedrale in seiner Größe angemessen ist - zum Nutzen der Kirche und der Stadt Mende.
Er bittet daher die Chorherren, sich zu versammeln und zu entscheiden,
welcher der beste Standort für das genannte Bauwerk sei.
Ich möchte euch überdies mitteilen, dass der Bischof
fest entschlossen ist und gleich am ersten Tag
nach unserer Entscheidung den Bau in Auftrag geben wird."

Die Chorherren beschließen den Bau, und einigen sich sogar darauf, einen zweiten Turm - zu ihren Lasten - zu errichten.
Bereits vier Jahre später (1512) sind die Bauarbeiten abgeschlossen.
Der große Glockenturm ist mit vielen Details und Bögen verziert, die eindeutig den Einfluss der Renaissance erkennen lassen.
Er misst imposante 84 Meter.
Der von den Chorherren finanzierte zweite Glockenturm ist in seiner Bauweise wesentlich schlichter,
erreicht aber immerhin eine Höhe 65 Metern.
Diese beiden beeindruckenden Türme dürfen auf keinen Fall stumm bleiben, außerordentlich besondere Glocken werden benötigt.

Im Oktober 1516 transportieren 180 Maultiere etwa 30 Tonnen Metall von Lyon bis Mende. Geschickt von Monsignore de Rohan, dem damaligen Bischof von Lyon.
Dieses Metall wird zur Herstellung von drei Glocken verwendet, eine davon die "Non Pareille" (die Unvergleichbare).

Der Klöppel dieser Glocke wurde in der Nähe
von La Levade im Département Gard hergestellt.
Erzählungen zufolge wurde er die ganze Strecke
von einem weißen Maultier gezogen, dass bei
seiner Ankunft in Mende im Vorort Saint-Jean
vor Erschöpfung zusammenbricht und stirbt.
ölkerung sieht darin ein unheilvolles Vorzeichen...

Die Glocke wird anschließend vor Ort gegossen:
Zu Füssen des großen Glockenturms, wo heute die
Kapelle der "Heiligen Maria zum Rosenkranz" ist.
Die besondere Konstruktion des dortigen Gewölbes
zeigt mit der kreisförmigen Unterbrechung an, wo die
Glocke später hinaufgezogen wird.



 Die Familie de La Rovere

Die aus dem Piemont stammende Familie "Della Rovere" hat zwei Päpste und mehrere Kardinäle und Bischöfe hervorgebracht.
Der erste François de la Rovère wurde Papst Sixtus IV (1471 - 1483). Er ist der Onkel von Julien, der später der mächtige und gefeierte Papst Julius II wurde (1503 - 1513) und vorher (1478 - 1483) Bischof von Mende war.
Die beiden Neffen von Papst Julius II waren Clément (Bischof von Mende 1483 - 1504) und François (Bischof von Mende 1504 - 1524).
Die Diözese Mende wurde also 46 Jahre in Folge von 3 Mitgliedern dieser Familie verwaltet.
Lediglich der letzte dieser drei, François, ist in seiner Diözese geblieben und starb in seinem Schloss in Balsièges. Die beiden anderen sind nie nach Mende zurückgekehrt.



 Die Non pareille

Im Jahr 1517 wird die Glocke mit einem mächtigen Kran in den großen Glockenturm hinaufgezogen. Sie wird "François" getauft, zu Ehren von François de la Rovère. "Marie-Thérèse" scheint ein späterer, zusätzlicher Name zu sein. Die Bürger von Mende nennen sie jedoch lieber "La Non Pareille" (die Unvergleichbare) - aufgrund ihrer außergewöhnlichen Größe.
Diese Glocke strotzt nur so vor Superlativen: die Größte, die Schwerste, aber auch die Lauteste ihrer Zeit!
Die Dimensionen dieser Glocke sind auch wahrlich beeindruckend:

3,25 m de diamètre, 2,75 m de hauteur et 33 cm d'épaisseur. Son poids est de 25 tonnes.

· Durchmesser: 3.25 m
· Höhe: 2.75 m
· Wandstärke: 33 cm
· Gesamtgewicht: 25 t

Um sich die Maße dieser Glocke vorstellen zu können, muss man das Dach des Treppenturms - der seitlich des großen Glockenturms angebaut ist - näher betrachten. Dieses Dach entspricht in seiner Grösse und Form etwa der "Non Pareille".
Sie ist noch im Umkreis von 16 km zu hören, von Chanac im Vallée du Lot bis zum Plateau du Roi (fast bis zum heutigen Lac de Charpal).
Sie ist ebenso faszinierend wie beängstigend. Es wird erzählt, dass bei ihrem Geläut Menschen mit schwachem Herz in den Kellern Zuflucht suchten und die Mütter ihre Kinder fernhielten, aus Angst, dass ihnen das Trommelfell platzen könnte.

Der Klöppel, den man noch heute in der Kathedrale besichtigen kann (seitlich des Hauptportals), wiegt allein schon 470 kg, ist 2.20 m hoch und hat einen Umfang von 1.10 m an der stärksten Stelle. Er wurde im Laufe der Zeit zum Gegenstand des Aberglaubens: so soll z. B. die Berührung des Klöppels die Fruchtbarkeit der Frauen steigern.



 Die Zerstörung der Non Pareille

Leider wird diese außergewöhnliche Glocke im Laufe einer tragischen Episode der Stadtgeschichte zerstört werden.
Nostradamus hatte 25 Jahre vorher prophezeiht:
"Ol troc de la campano, Mendé malo sepmano ."
(Wenn die Glocke läutet wird Mende eine schlechte Woche haben.)
Sie schlägt zum letzten Mal zur Mitternachtsmesse an Weihnachten 1579 und wird dann ein Opfer der Religionskriege. Schriftliche Überlieferungen besagen: "Ihre mächtigen Glockenschläge und die Vibrationen führten dazu, dass die Bürger das Alarmsignal der Wachposten auf den Stadtmauern nicht hörten."

Die Glocke wird kurze Zeit später vom Hugenottenführer Mathieu Merle zerstört. Der Notar Destrictis, ein Augenzeuge, schreibt über dieses Ereignis:
"Es war nicht möglich, die Non Pareille zu zerbrechen; darum legte man unter ihr und außenherum Feuer und erhitzte sie derartig, dass es danach ein Leichtes war, sie in Stücke zu brechen."

Das dadurch gewonnene Metall diente zum Giessen mehrerer Couleuvrines (die ersten Artilleriekanonen) und zwei großen Kanonen.
Nur der eiserne Klöppel blieb erhalten (1793 wäre er fast verloren gegangen, denn das Revolutionskomitee wollte ihn verkaufen; es fand sich jedoch kein Käufer).
Im Jahr des Edikt von Nantes (1598) spendiert Henri IV der Kathedrale für die Turmuhr eine Glocke kleineren Ausmaßes- als Symbol der Versöhnung.
Diese schlägt seitdem vom großen Glockenturm die vollen und halben Stunden.
Auch wenn es sie schon lange nicht mehr gibt: In der Erinnerung der Einheimischen erschallt Marie-Thérèse, die Unvergleichbare, immer noch.



 REKORD-GLOCKEN DER HEUTIGEN ZEIT:
Die Zarenglocke - Kreml (Moskau)
Gewicht: 202 t
Höhe: 6,14 m
Durchmesser: 6,6 m
Die schwerste Glocke der Welt. Als sie nach 4 Jahren Arbeit 1734 fertig war, musste erst eine Konstruktion gebaut werden, die stabil genug ist, die Glocke aus ihrer Grube zu heben. Bei einem Grossbrand im Jahr 1737 wurde jedoch die Aushebungskonstruktion zerstört und das kalte Löschwasser führte dazu, dass ein 11,5 Tonnen schweres Stück aus der Glocke herausbrach.
Erst 1836 (fast hundert Jahre später) gelang es, die Zarenglocke aus ihrer Grube zu heben und im Kreml auszustellen. Sie wurde nie geläutet.

World Peace Bell oder Millenniumsglocke - Newport (Kentucky/USA)
Gewicht: 33,285 t
Höhe: 3,50 m
Durchmesser: 3,78 m
Klöppel: 2650 kg
Die größte freischwingende Glocke der Welt. Sie wurde anlässlich der Jahrtausendwende von der Gießerei Paccard in Nantes gegossen und wurde am 11. Dezember 1998 fertiggestellt. Wenn sie läutet, hört man sie 40 km weit.

FRANKREICHS SCHWERSTE GLOCKE:
La Savoyarde - Sacré-Cœur de Montmartre (Paris)
Gewicht: 18,8 t
Durchmesser: 3,06 m
Sie wurde 1891 von vier Diözesen in Savoyen gespendet und ist die schwerste, noch im Dienst stehende Glocke Frankreichs.

Wenn sie nicht zerstört worden wäre, hätte die "Non Pareille" noch heute
ihren Platz unter diesen außergewöhnlichen Glocken.